Jahresprogramm 2020/21

ERBARMEN 

ERBARMEN IN ZEITEN DER PANDEMIE – videopremiere & gespräch

30. APRIL | 20.00

Die siebten Winter Musik-Welten, diesmal in Form eines 10 minütigen Musik-Videos, drehen sich um das Thema Erbarmen und finden – pandemiebedingt – online statt. Die Premiere ist am Freitag, den 30.04.2020 um 21:00 Uhr auf dem YouTube Kanal des COMMUNITYartCENTERmannheim. Eine Gesprächsrunde zum Thema Erbarmen geht der Filmpremiere um 20:00 Uhr voraus.



GESPRÄCHsrunde zum Thema Erbarmen | Ab Jetzt auf YOUTUBE

Mit Andrea Weiß (Diakonin Lutherkirche Mannheim), Annette Dorothea Weber (Leiterin COMMUNITYartCENTERmannheim & Regisseurin des Musik-Videos), Johannes Stange (Komponist des Musik-Videos) Dr. Ishar Singh Gill (Sikh Gemeinde Mannheim) und HUE NGO (buddhistischer Mönch).

VIDEO | YouTube



 


Erbarmen in Zeiten der Pandemie

Normalerweise füllen die Winter Musik-Welten an zwei Abenden die Lutherkirche der Neckarstadt-West bis auf den letzten Platz. Dass eine solche Veranstaltung im Frühjahr 2021 nicht möglich sein würde, zeichnete sich schnell ab. Ursprünglich als Konzert unter Corona-Bedingungen in verschiedensten Varianten geplant, wurde das Format, das eigentlich unterschiedlichste Menschen in Kontakt bringen soll, schweren Herzens ins Internet verlegt.

Die Künstler*innen entwickelten in der Regie von Annette Dorothea Weber und unter der Produktionsleitung von Mike Rausch das Thema Erbarmen aus der aktuellen Situation, in der das Gefühl des Ausgeliefertseins und der Erwartung an Hilfe von außen immer wieder beherrschend wird. Künstlerischer Ausgangspunkt für Webers Inszenierungsidee war das Rilke Gedicht „Ich ließ meinen Engel lange nicht los“, auf dessen Grundlage die Musik von Johannes Stange eigens für das Winter Musik-Welten Ensemble komponiert wurde. Die im Musik Video erzählte Geschichte stützt sich direkt auf das Rilke Gedicht. Protagonistinnen sind die Mezzosopranistin Barbara R. Grabowski – sie verkörpert den Menschen, der sich an seinen Schutzengel klammert – und die Tänzerin Georgia Begbie – den Schutzengel, der durch die Umklammerung immer kleiner wird.

Das Stück wurde an unterschiedlichsten Orten der Lutherkirche gedreht und nimmt das Publikum mit auf eine Reise, an deren Ende die persönliche Freiheit steht, nach der wir uns gerade jetzt so sehr sehnen. Musik und Choreografie, gefilmt von Julia Schleisiek, zeigen dabei den inneren Kampf um das Loslassen, und in Selbstverantwortung zu bleiben, was letztendlich zu Leichtigkeit und Freiheit führt. Ein kontinuierlicher Konflikt, dem wir uns – mal mehr und mal weniger mutig – stellen und der uns durch das Leben und insbesondere die Krise begleitet.

Vor der YouTube Film-Premiere führt die Regisseurin und Künstlerische Leiterin des COMMUNITYartCENTERmannheim, Annette Dorothea Weber, ein Gespräch über die ganz persönlichen Definitionen und Wahrnehmungen von Erbarmen mit Andrea Weiß, Diakonin der Diakonie Kirche Luther Mannheim, Johannes Stange, Komponist der Winter Musik-Welten 2021 und weiteren Gesprächspartner*innen aus Kunst und Wissenschaft. Im Anschluss an die Diskussionsrunde stehen die Teilnehmenden für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung. Neben der Online-Premiere wird das Video im laufenden Gottesdienst der Lutherkirche gezeigt, weiteren Mannheimer Kirchen wird das Format für ihre Gottesdienste angeboten. 


Mitwirkende:

Konzept & Regie: Annette Dorothea Weber // Produktionsleitung: Mike Rausch // Komposition: Johannes Stange // Kamera & Schnitt: Julia Schleisiek // Gesang & Spiel: Barbara R. Grabowski // Tanz & Spiel: Georgia Begbie // Sopransaxophon & Bassklarinette: Yolanda Diefenbach // E-Gitarre: Markus Herrmann // Baglama & Gesang: Hozan Temburwan // Kontrabass & Gesang: Tobias Schmitt // Percussion & Gesang: Peter Hinz // Sopran: Josefa Kreimes // Mezzosopran: Annette Ziegler // Alt: Brigitte Becker // Tenor: Ingo Wackenhut // Bass: Emmerich Pilz // Musikaufnahme: Tobias Schirmann // Musikaufnahme & Soundmischung: Markus Born // Licht: Nils Kreitzschek // Aufnahmeleitung: Reda Regragui // Kostüm: Melanie Riester // Grafik: Tobias Frindt

 

Engellieder 
RAINER MARIA RILKE

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt...
22.2.1898, Berlin-Wilmersdorf


Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
und die Stille der Sterne durchspalten, –
denn er muss meiner einsamen Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten –
seit mich mein Engel nicht mehr bewacht.
8.2.1898, Berlin

 

 

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (kulturstaatsministerin.de) und Bundesverband Soziokultur e.V. NEUSTART KULTUR (soziokultur.de)

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