Jahresprogramm 2016/17

Rechts: ex und pop 

was wir im theatralen projekt RECHTS: ex und pop - oder Eine Proklamation für die Demokratie untersuchen und darstellen möchten ist, wie Menschen dazu kommen Rechtspopulisten zuzustimmen und rechte Gewalt zu billigen. Woher kommen Angst, Ohnmachtsgefühle, Misstrauen, und Enthemmungen? Warum werden Verschwörungstheorien geglaubt, obwohl sie nur darum erdacht sind um die Distanz zwischen dem, was sich wahr anfühlt und dem, was wahr ist, zu überbrücken. Wer steckt hinter den „Rechten“ Ideen und Ideologien? Wo sind Andockstellen für die, die angeblich nur einmal „Protest“ gewählt haben? Die nur einmal bei Pegida, Legida, Dügida waren, weil es angeblich zu viele Geflüchtete gibt. Das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen ist ein europäisches Phänomen, das im Kleinen anfängt, in Stadtteilen, Quartieren und Nachbarschaften. Dort, wo wir uns alltäglich aufhalten, dort wo wir leben - nicht irgendwo oder irgendwer hat damit zu tun, sondern wir, hier!

Unsere theatrale Untersuchung stützt sich auf Zeitungsartikel, wissenschaftliche Untersuchungen zu Rechts-Populismus und Extremismus, eigene Befragungen auf der Straße, Reden von Agitator*innen, literarische Fragmente von Ödön von Horvath, Videos aus dem Internet, Wahlanalysen, psychologische Studien (von Adorno, Rogers, auch zu Posttruth Politics) und auf das Werk Karl Poppers „Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde“.

Als Künstler*innen wollen wir Position beziehen: Durch dieses Projekt wollen wir mit unserem Publikum in Dialog treten, Wirkweisen rechter Ideologien und Zugehörigkeitsversprechen bewusst machen und zeigen, dass sie niemals problemlösungsorientiert sind. So wollen wir der gesellschaftlichen Polarisierung, dem Auseinanderdriften von Milieus etwas entgegensetzen und Impulse für neue Querverbindungen schaffen. Wir wollen keine Gegenwart und Zukunft, in der Menschen wegen ihrer Verschiedenheit Angst, Hass und Gewalt erleben. Es geht uns um nichts weniger als um die Frage nach der Bedrohung und notwendigen Stärkung unserer Demokratie und der offenen Gesellschaft mit künstlerischen Mitteln. Wir, das sind Profikünstler*innen, die spartenübergreifend im COMMUNITYartCENTERmannheim (CaCm) an gemeinsamen Themen arbeiten.

Im Projekt werden u.a. ideologische Zeichen und Codes untersucht. Agitationsweisen der „Neuen Rechten“ und ein Einblick vermittelt in den Dschungel der Verschwörungsideologien. In choreografierten Szenen zeigen wir thematische Situations- und Assoziationsbilder, die z.B. Zugehörigkeit und Ausgrenzung abbilden. Für das Stück werden bewusst keine Figuren erarbeitet, sondern Typen, anhand derer sich Handlungen, Motive, Verhaltensweisen und Wirkweisen von Rechtspopulisten und Extremisten und deren Anhänger*innen nachvollziehen lassen. Aber auch ein Chor der Demokratie wird ganz nach Karl Popper für die offene Gesellschaft sprechen.

Das aus unserer Untersuchung entstehende Stück wird im Frühjahr 2017 in Mannheim produziert und im Sommer aufgeführt. Anschließend tourt die Produktion nach Hoyerswerda, Neubrandenburg, BrANDENBURG A.D. HAVEL, HERTEN, Dortmund und Berlin. Ziel ist, alle Menschen zu erreichen, quer durch die Gesellschaft. Wir möchten sie für demokratiegefährdende Phänomene sensibilisieren. Denn Bewegungen wie die „Neue Rechte“ und Querfront platzieren ihre Botschaften z.B. im Internet mit Videos, Liedern und Bezügen zu Filmen. Unser Ziel ist, zu ermöglichen unterscheiden zu können, was hinter den als Meinungsfreiheit getarnten Postings steckt, die schnell ihren Weg von der digitalen Welt in Schulen, auf öffentliche Plätze und in alltägliche Begegnungen finden. 

 

Mit freundlicher Unterstützung von:

Heidehof Stiftung

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