Eine FOTOAUSSTELLUNG über das Ankommen in Mannheims Flüchtlingsunterkunft von Sharif Tavakoli & Ausstellungseröffnung mit HEAR MY HEARTBEAT - einer art Lesung zwischen Weltliteratur und Krankenkassenmagazin gespickt mit Sarkasmus, Ironie, Boshaftigkeit und verstörenden Bildern als Waffe gegen die "Festung Europa".


Die Fotos von Sharif Tavakoli rücken die abschreckende Unwirtlichkeit der Mannheimer Flüchtlingsunterkunft, die inzwischen zur Landeserstaufnahme umgewandelt ist, erdrückend in Bild. Sarif Tavakoli wünscht sich von den etwa 150 Besucherinnen und Besucher im COMMUNITYARTCENTERMANNHEIM, dass sie nicht reden, sondern handeln, um die Situation von Flüchtlingen zu verbessern.

 

Mit Texten von Hilde Domin, Selma Meerbaum-Eisinger, Bertolt Brecht und Texten zur eigenen Fluchtgeschichte und zum Ankommen in Deutschland zeigten Ramin Akbari, Florie Alijaj und Polina Fuaad Sheba, wie sich das erzwungene Weggehen aus der geliebten Heimat anfühlt, welche Spuren die Flucht und das Zurücklassen von Menschen in ihnen hinterlassen und wie sie das Ankommen in Deutschland erleben.

 

Die beiden Schauspielerinnen Monika Magret-Steger und Bettina Franke  - musikalisch begleitet von Christiane Schmied - konfrontierten anhand von Liedern, Fotos und Texten mit den Parallelwelten: Für die einen ist das Mittelmeer letzter und doch lebensbedrohlicher Ausweg für einen erhofften Neubeginn, für die andere nostalgisch erinnertes Ferienparadies. Für die Krankenkasse geht es um Burnout-Vorbeugung durch einen aufmunternden Appell an den Glauben an sich selbst, selbst wenn das Leben stark an einer zerrt: Absurd und zynisch wirkt der Text im Lichte der Fluchtgeschichten. Und da wäre noch  die viel gerühmte Willkommenskultur. Angefangen von den Stellenanzeigen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, mit denen team- und konfliktfähige Entscheider/innen in einem interessanten Arbeitsumfeld unter günstigen Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesucht werden. Oder die Bedrohung von Abschiebehaft für diejenigen Flüchtlinge, die nicht mit "altruistischen Schleusern" (Zitat Gesetzestext), sondern durch bezahlte Schlepper ihren Weg nach Deutschland gefunden haben. Und die engagierte Kirchengemeinde, die Kleider, ja sogar Markenkleider und Fahrräder sammelt, und sich dann darüber aufregt, dass die Flüchtlinge zu schick daher kommen. Engagiert euch! so der Schluss dieses bewegenden Abends.

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